Der Schlichtung gehört die Zukunft – vor allem in der Baubranche!

Ende März und Ende April fand die erste Schlichtungsausbildung zur neuen SOBau statt. Das insgesamt fünftägige Seminar leiteten Rechtsanwalt Dr. Ulrich Böttger, Rechtsanwalt Christian Meier und Mediationstrainer Christian von Baumbach. Rechtsanwältin Christiane Weyand war als Teilnehmerin dabei und schildert hier ihre persönlichen Erfahrungen.

Schlichten ist besser als streiten. Eine Erkenntnis, die bereits viele nach langwierigen, kostenintensiven und frustranen Bauprozessen vor den staatlichen Gerichten gewonnen haben.

Gerade in der Baubranche sind Konflikte oft sehr komplex. Die Streitigkeiten zeichnen sich nicht nur durch eine Vielzahl an Beteiligten und die lange Dauer der Verfahren aus. Vor allem das breite Spektrum an vielschichtigen Problemfeldern, ist typisch für Streitigkeiten am Bau. Staatliche Gerichte stehen oft aufgrund der fehlenden baurechtsspezifischen Ausbildung vor besonderen Herausforderungen. Hinzu kommt eine hochemotionale Komponente bei den Streitbeteiligten, die vor staatlichen Gerichten meist kein Gehör findet. Ergebnis ist die oft geringe Akzeptanz des nach jahrelanger Prozessdauer mitgeteilten Ergebnisses. Daher macht es Sinn, Alternativen zur Klärung von Baustreitigkeiten in Erwägung zu ziehen.

Um Konflikte rund um den Bau schnell und rechtssicher lösen zu können, hat die ARGE Baurecht bereits 2004 die Schlichtungs- und Schiedsordnung für Baustreitigkeiten (SOBau) geschaffen und seitdem kontinuierlich aktualisiert. Ziel ist es, Konflikte zügig, kostenbewusst und mit einem für alle Beteiligten akzeptablen Ergebnis lösen zu können. Das Spektrum der SOBau beinhaltet neben Mediation, Schiedsgutachten und schiedsrichterlichem Verfahren auch die Möglichkeit, Schlichtungsverfahren durchzuführen.

Eine Schlichtung bietet sich deshalb an, weil sie flexibler zu gestalten ist, als ein Gerichtsverfahren. Sie ist gerade bei Bausachen oft auch zielführender als etwa ein Mediationsverfahren. Denn anders als bei einer Mediation würdigt und bewertet der wegen seiner fachlichen Kompetenz ausgewählte Schlichter den Vortrag der Parteien nach rechtlichen und sachlichen Gesichtspunkten. Unter Mitwirkung der Parteien unterbreitet er dann einen Entscheidungsvorschlag, wobei auf eine vollständige Klärung aller Einzelheiten des Falls verzichtet wird.

Zwar ist auch die Mediation eine effiziente alternative Methode, Konflikte zu lösen. Im Gegensatz zum Schlichter unterbreitet der Mediator jedoch keine eigenen Lösungsvorschläge und beurteilt auch nicht die rechtliche oder sachliche Situation des Streits.

In der Mediation steht vielmehr die Sach- und Beziehungsebene der Parteien im Fokus. Der Mediator moderiert die Konfliktsituation zwischen den Parteien und bietet Klärungshilfen für das eigentliche Problem. Unter Verwendung psychologischer Techniken hilft er ihnen so, eine eigene Lösung zu finden.

In der Schlichterausbildung der ARGE Baurecht werden die Techniken der Mediation mit den Vorteilen der Schlichtung verbunden. Diese vorteilhafte Kombination hat das Ziel, die Parteien mit den Methoden der Mediation einander näher zu bringen, um so den Boden für eine Einigung zu bereiten und die Kooperation im Verfahren sowie Akzeptanz des erarbeiteten Ergebnisses zu fördern.

 

Neben dem Handwerk eines Schlichters und dem Ablauf und der Strukturierung eines Schlichtungsverfahrens, die von Ulrich Böttger und Christian Meier auf kurzweilige und anschauliche Weise vermittelt wurden, erhielten die Teilnehmer des Lehrgangs durch den Mediationstrainer Christian von Baumbach interessante Einblicke in die Methoden der Mediation und die Psychologie eines Konflikts auf Beziehungs- und Sachebene mit den verschiedenen Eskalationsstufen. Mit spannenden interaktiven Übungen half er den Teilnehmern auch, die entsprechenden Effekte dieser Methoden am eigenen Leib zu erfahren.

 

Dies führte bei den Beteiligten zu einer Vielzahl von Aha-Erlebnissen, die nicht zuletzt auch zur Lösung privater oder beruflicher Konflikte genutzt werden können. Daher hatte dieses Seminar, neben der Erweiterung des juristischen Werkzeugkastens, vor allem auch eine ungeahnt lebensbereichernde Wirkung.

 

In der Praxis haben sich Schlichtungen als äußerst wirksame Verfahren zur Streitbeilegung bewährt, weil den Parteien durch die baurechtlich und psychologisch geschulten Schlichter ein Weg zur Einigung eröffnet wird. Das spart Zeit und Geld, führt zur Befriedigung und hilft, Bauprojekte und Geschäftsbeziehungen zu erhalten. Wenn jemand sich, seinen Mandanten und seinen Mitmenschen etwas Gutes antun möchte, dann sollte er/sie unbedingt diese Form der alternativen Streitbeilegung in Erwägung ziehen.

 

Die Ausbildung zum Schlichter hat ganz nebenbei noch sehr viel Spaß gemacht und den Blick nicht zuletzt auch in Bezug auf private Konflikte entscheidend verändert. Liebe C²U und liebe Kolleg*innen dieser Schlichterausbildung: You made my world a better place!

Rechtsanwältin Christine Weyand

  • Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht
  • Schlichterin für Baustreitigkeiten
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