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Tech-in-Construction - die Messe für Bau-Startups

Am 25. und 26. Mai fand in Berlin erstmals die „Tech in Construction“ statt. Rund 50 Startups präsentierten ihre Lösungen für Architekten, Fachplaner, Bauhandwerker, Bauunternehmer, Entscheidungsträger in Baukonzernen und anderen Baubeteiligten. Im Fokus standen Lösungen, die Bauabläufe effizienter gestalten sollen. Rechtsanwältin Dr. Petra Sterner, Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der ARGE Baurecht, war dabei und hat sich für uns umgesehen. Wir sprachen mit ihr über ihre Eindrücke und sie berichtete uns von „einer wirklich interessanten Veranstaltung mit zum Teil sehr innovativen Ansätzen und Ideen für die Bau-Praxis“. Dabei verriet sie uns auch, inwieweit baurechtliche Aspekte eine Rolle gespielt haben. 

Frau Dr. Sterner, was hat Sie motiviert, die Messe zu besuchen?

Für mich als Baurechtsanwältin, aber auch für uns als ARGE Baurecht, ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, immer wieder den eigenen Blickwinkel zu erweitern und sich einen Eindruck von aktuellen Entwicklungen in der Baubranche zu verschaffen. Zudem glaube ich, dass wir die digitalen Entwicklungen in diesem Umfeld zumindest beobachten sollten, schon allein, um ‚mitreden‘ zu können. Und schließlich fand ich es auch spannend, herauszufinden, ob es in einem solchen Umfeld baurechtliche Aspekte eine Rolle spielen.

Die Messe zielte darauf ab, innovative Lösungen für die Baupraxis anzubieten. Ist das aus Ihrer Sicht gelungen?

Ja, das denke ich schon. Ich habe mit einer ganzen Reihe von Ausstellern über deren zum Teil sehr innovativen Idee gesprochen. Beispielsweise die Firma Digitalisiere Jetzt 42, die sich mit 3-D-Drucktechnologien beschäftigt. Das war wirklich erstaunlich, was hier bereits möglich ist. Das Startup will über kurz oder lang Schalungen für Stuckelemente und Ausformungen für Betonwände anbieten. Dem Unternehmen nach sei das Potenzial am Bau dafür noch nicht einmal ansatzweise erschlossen. Bei vielen ging es auch um Prozessoptimierung. Etwa beim Gerüstbauer Scaffeye. Das Unternehmen plant das Gerüst nach Angaben, baut es auf und speichert die Sicherheitsnachweise. Somit kann eine ordnungsgemäße Rüststellung belegt und bei Schäden oder Personenunfällen eine unsachgemäße Verwendung des Gerüsts nachgewiesen werden. Das alles ebenfalls in Echtzeit. Ein weiteres Beispiel ist die Firma Klarx, die eine neuartige Plattform für die Vermietung von Baumaschinen anbietet. So wie Sie bei booking.com Reisen buchen können, können Sie hier Baumaschinen vermieten oder mieten, und zwar „all inclusive“, also mit Service und Versicherung.

Offenbar ging es vor allem um Lösungen für Baupraktiker. Sind Ihnen auch Anwendungen begegnet, die für Baurechtler eine Rolle spielen?

Ja, auch die gab es. Beispielsweise im Bereich der Mängeldokumentation. Hier stellte das Unternehmen PlanRadar, kein Startup im engeren Sinne mehr, seine Lizenzen zum Mängelmanagement vor. Ausgehend vom Architektenplan, der in die Anwendung integriert wird, können danach alle Mängel auf der Baustelle lokalisiert, im Plan markiert und einem bestimmten Gewerk zugeordnet werden. Aus dem System heraus kann der Auftraggeber betroffene Auftragnehmer in Echtzeit informieren und mit Frist zur Beseitigung auffordern. Auftragnehmer wissen dann genau, wo auf der Baustelle was zu tun ist, können Mängel beseitigen und die Erledigung im System hinterlegen. In Echtzeit sehen Architekt beziehungsweise Bauherr, dass die Mängel abgearbeitet wurden. Die gesamte Projektleitung kann auf das Programm zugreifen. Auch Sachverständige können das Programm nutzen und Auftraggeber können dem Stand des Gutachtens folgen. Einmal eingegebenen Werte bilden einen Status ab, der nachträglich nicht verändert werden kann. Somit wird das Ganze künftig gerichtsfest sein und tatsächlich als Beweis und nicht nur als Indiz dienen können. Ähnlich arbeitet auch die kostenlose App obob, die Fotos von der Baustelle fest mit Datum, Uhrzeit und Geodaten der Baustelle verbindet. Es entsteht eine Dokumentation, die nicht mehr verändert werden kann und somit auch als Beweismittel interessant sein könnte.

Hat sich der Besuch für Sie als Baurechtlerin gelohnt?

Es war auf jeden Fall interessant zu sehen, was es alles in diesem speziellen Bereich gibt und wie die ‚Kleinen‘ sich in Domänen der ‚Großen‘ vorwagen. Und der direkte Austausch mit den Startups war durchaus aufschlussreich. Allerdings war es die erste Messe dieser Art und der Besucherandrang hielt sich in Grenzen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich das Konzept bewährt – und ob sich die „Tech in Construction“ zu einem interessanten Partner für die ARGE Baurecht mausert.