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Digitale Fallbearbeitung, supported by ARGE Baurecht

Der Einsatz von Software gehört seit langem zum Alltag in Rechtsanwaltskanzleien. Dank der digitalen Technik lassen sich viele Arbeitsabläufe standardisieren und effizienter gestalten. Neuere digitale Anwendungen gehen jedoch deutlich weiter und konzentrieren sich auf die Fallbearbeitung an sich. Wir sprachen mit Johannes Klostermann, Head of Innovation bei Wolters Kluwer, über die Besonderheiten der neuen Generation von Legal-Tech-Tools, deren Entwicklung die ARGE Baurecht aktiv unterstützt. Damit wollen wir sicherstellen, dass Anwendungen entstehen, die sich am Kanzleialltag von Baurechtlern orientieren und einen echten Mehrwert bieten. Auch Sie können daran mitwirken. Details dazu erfahren Sie am Ende des Gesprächs. 

Herr Klostermann, Sie haben im Rahmen der 51. Baurechtstagung mit einer ganzen Reihe von ARGE Baurechts-Mitgliedern gesprochen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Die Tagungen der ARGE Baurecht sind auch für Wolters Kluwer regelmäßige Höhepunkte der Kontaktpflege. Traditionellerweise stellen wir hier das Baurecht-Portfolio unserer Verlagsmarke Werner vor. Bei der Frühjahrstagung war es für uns wesentlich, weiteres Feedback der Mitglieder zu unserer Neuentwicklung einer digitalen Expertenlösung im Baurecht einzuholen. So nutzten wir die Zeit außerhalb der Programmpunkte für einen intensiven Austausch mit den anwesenden Baurechtlern. Besonders interessant war für uns die Botschaft fast aller Gesprächspartner, dass die grundsätzliche Offenheit für digitales Arbeiten nicht in Frage gestellt wird. Wie dieses aber ausgestaltet sein soll, das gab Anlass zu teils intensiven Diskussionen. Viele unserer Gesprächspartner waren sofort bereit, sich in Folgeterminen weiter mit uns austauschen, in denen wir unsere Ideen vorstellen und mit den Praktikern diskutieren wollten.

Der Austausch ging also nach der Tagung weiter?

Ja, unbedingt. In den darauffolgenden Wochen fuhren daher immer zwei Mitglieder des Entwicklungsteams von Wolters Kluwer zu Ortsterminen nach Düsseldorf, Hamburg, aber auch nach Haselünne und Uelzen, um unseren Entwicklungsstand näher vorzustellen und die Lösungsansätze zu diskutieren. Wie in den meisten vorhergehenden Gesprächen auch, fanden unsere Ideen positiven Anklang, zugleich nahmen wir aber auch viele Anregungen zu kleinen oder größeren Verbesserungen mit.

Was ist das Besondere an der neuen Generation digitaler Anwendungen für Baurechtler? Und wie treiben Sie deren Entwicklung voran?

Im Wesentlichen wollen wir künftig Lösungen und Tools für die eigentliche Arbeit des Anwalts anbieten. Hierfür haben wir viele Ansätze entwickelt und sehr positives Feedback bekommen. Eine entscheidende Komponente fehlte uns aber noch: Wie könnten wir alle erforderlichen Informationen, die der Anwalt benötigt, schnell und einfach erfassen und zusammenführen? Um hierfür eine Lösung zu erarbeiten, haben wir uns für einen so genannten „Design Sprint“ entschieden, den wir gemeinsam mit einer spezialisierten Agentur in Berlin durchgeführt haben. Design Sprints wurden bei Google Ventures entwickelt und sind in der Technologie-Welt die angesagteste Methode, binnen einer Woche validierte Erkenntnisse über mögliche Produkte, Features, Webseiten, Marketingmaßnahmen etc. zu bekommen und dabei komplett aus Kundensicht zu denken.

Wie läuft so ein Design Sprint ab?

Im Design Sprint gibt es einen festen 5-Phasen-Plan: Verstehen – Entdecken – Entscheiden – Entwickeln – Testen. Diese fünf Phasen haben wir mit unserem Team aus acht Kolleginnen und Kollegen und zwei zusätzlichen Designerinnen der Agentur in vier Tagen durchlaufen. Am ersten Tag haben wir unsere bisherigen Erkenntnisse aus den Kundeninterviews zusammengetragen, eine „Customer Journey Map“ erstellt, die den Weg des Kunden zu unserem Produkt beschreibt, und mit einem weiteren Experteninterview validiert, bevor wir dann noch erste Lösungsansätze gesammelt haben. Der zweite Tag stand ganz im Licht der Entscheidung über die Lösung, die wir bauen wollten. Mit verschiedenen Methoden kamen wir hier schnell zu einer Lösung, die dann als Grundlage für die Erstellung eines Prototyps diente. Das Prototyping selbst erfolgte am dritten Tag.

Das klingt zwar sehr spannend, aber wann und wie kam dabei die Perspektive der Kunden, also der Baurechtler, ins Spiel?

Die Kundenperspektive haben wir uns für den vierten Tag des Design Sprints aufgehoben. Dazu luden wir vier Testkunden ein, drei Anwälte und eine Rechtsanwaltsfachangestellte. Die spannende Frage war: Würde die Lösung funktionieren, die wir uns ausgedacht haben? Um es kurz zu machen: sie hat funktioniert! Zwei Anwälte und die ReFa sahen genau die Lösung, die wir für sie entwickelt hatten, als optimal an. Für den dritten Anwalt müssten noch Anpassungen erfolgen. Das bestätigt uns darin, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.
Der Design Sprint hat uns also extrem dabei geholfen, uns dem marktfähigen Produkt für Baurechtler zu nähern. Wir haben so eine weitere Komponente konzipiert, die wir nun in unser Gesamtkonzept integrieren. Die nächsten Schritte bestehen nun darin, weiter am Gesamtkonzept zu feilen und unser „Minimum Viable Product“ zu definieren – wörtlich ein "minimal überlebensfähiges Produkt", also die erste minimal funktionsfähige Iteration eines Produkts. Erst dann gehen wir in die technische Entwicklung der Anwendung.

Wie wird es mit der Entwicklung Ihres Produkts weitergehen? Welche Rolle werden dabei ARGE Baurecht-Mitglieder spielen?

Der Design Sprint hat sich für uns sehr gelohnt. Wir haben in sehr kurzer Zeit eine Bestätigung dafür bekommen, dass wir mit unserem Nutzenversprechen richtigliegen und dass der von uns definierte Arbeitsprozess eines Baurechtlers der Praxis entspricht. Außerdem haben wir gesehen, dass es sich sehr lohnt, Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen des Verlags in einem solchen Design Sprint zusammenzubringen. In den nächsten Wochen werden wir uns nun der Definition unseres Produktkerns widmen, eine technische Lösungsarchitektur entwickeln und ein Entwicklungsteam aufsetzen. Im weiterhin steten Austausch mit unseren Kooperationspartnern aus der ARGE Baurecht und Baurechtsanwälten beginnt dann die eigentliche Entwicklung.  So können wir im letzten Jahresdrittel ein Produkt vorstellen, das Baurechtlern einen echten Mehrwert in ihrer täglichen Arbeit bietet.

 

Kanzleialltag revolutionieren – wirken Sie mit!

Sie wollen an der weiteren Entwicklung neuer LegalTech-Tools mitwirken? 

Dann melden Sie sich zu unserem Workshop mit Wolters Kluwer an:
Termin: Dienstag, 19. Juni 2018, 18.00-20.30 Uhr
Ort: BÖRGERS Rechtsanwälte, Neuer Wall 84, 20354 Hamburg 

Hier können Sie sich ganz einfach online anmelden.

Sie können nicht teilnehmen, wollen aber mitwirken? Dann empfangen Sie doch ein Team von Wolters Kluwer in Ihrer Kanzlei und diskutieren Sie die Anwendung. Oder Sie wollen uns einfach Ihre Meinung zu dem Thema mitteilen? Schreiben Sie uns an newsletter@arge-baurecht.com.