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Bauen? Aber sicher!

Mit Ausnahme der Anmeldepflicht von Bauhelfern bei der Berufsgenossenschaft gibt es in Deutschland keine Versicherungspflicht für Bauherren. Theoretisch! Faktisch müssen sich Bauherrn, die den Bau über ein  Kreditinstitut finanzieren, gegen Risiken schützen: Denn üblicherweise verlangt jede Bank von Kreditnehmern den Abschluss bestimmter Versicherungen, um ihren Darlehensrückzahlungsanspruch zu  sichern. Darüber hinaus sollten Bauherren sich auch im eigenen Interesse mit Versicherungen während der Bauzeit befassen, denn beim Hausbau entstehen nahezu unendlich viele Gefahren, die zu ganz erheblichen Schäden mit schwerwiegenden finanziellen Folgen führen können.

Bauherrenhaftpflichtversicherung

Auch wenn Sie einen Architekten oder ein Bauunternehmen beauftragt haben, tragen Sie die Verantwortung für  alles, was auf der Baustelle passiert. Sie sind für die Sicherheit auf der Baustelle verantwortlich, dafür, dass die Baustelle ausreichend abgesichert ist, Bauvorschriften eingehalten werden und haften für alle Unfälle,  die andere Personen auf oder wegen der Baustelle erleiden. Sie haften beispielsweise, wenn spielende Kinder in die Baugrube fallen (auch dann, wenn Sie auf einem Schild Ihre Haftung ausschließen oder auf die Eltern übertragen), wenn vom Bau herabstürzende Teile einen Pkw beschädigen oder wenn ein Motorradfahrer auf der infolge der Bauarbeiten verschmutzten Straße ins Rutschen gerät und verunfallt. Hier hilft der Abschluss einer Bauherrenhaftpflichtversicherung. Sie ersetzt Schäden, die Dritte durch das  Vorhandensein und durch den Betrieb der Baustelle erleiden. Nicht abgedeckt sind Schäden enger  Familienangehöriger und Schäden, die durch vorsätzliche Verletzung von Sicherungspflichten bestehen. Im  Falle Ihrer Inanspruchnahme entscheidet der Versicherer, ob der Anspruch abgewehrt oder ob der Schaden  des Anspruchsstellers ersetzt wird. Die Versicherungskosten richten sich nach der Bausumme. Da  Eigenleistungen die Gefahr von Schäden steigern, wird ein Risikozuschlag fällig, sollten diese erbracht  werden. Die Prämie ist steuerlich absetzbar, ist als Einmalzahlung zu entrichten und beträgt etwa 0,5 bis  ein Promille der Bausumme. Die Deckungssumme – der Betrag, den die Versicherung im Höchstfall zahlt – sollte laut Stiftung Warentest nicht unter drei Millionen Euro liegen. Die Versicherung sollte vor dem ersten Spatenstich beginnen. Sie endet mit der Bauabnahme.

Bauleistungsversicherung

Unvorhergesehene Schäden am im Bau befindlichen Gebäude selbst ersetzt die  Bauleistungsversicherung, die auch unter dem alten Namen Bauwesenversicherung bekannt ist. Es handelt sich um eine Allgefahrenversicherung, sodass es auf die Ursache des eingetretenen Schadens nicht  ankommt. Der Versicherer muss grundsätzlich alle Schäden am Bau ersetzen. Das hört sich zunächst gut an. Aber tatsächlich enthalten die Versicherungsbedingungen zahlreiche Ausschlüsse. Versichert sind  jedenfalls alle Teile und Baustoffe für die Errichtung des Bauwerkes, die bereits verbaut sind. Das heißt, alle noch nicht verbauten Bauteile sind nicht versichert. Ist ein Waschbecken bereits eingebaut und wird es  abmontiert und unberechtigt entfernt, ist dieser Diebstahl versichert. Lagert das Waschbecken noch  unverbaut auf dem Grundstück und wird gestohlen, besteht kein Versicherungsschutz. Wichtig ist auch: Versichert sind nur Beschädigungen oder Zerstörungen, deren Ursache unvorhergesehen eintritt. Dies  bedeutet, dass Schäden, mit denen gerechnet werden muss, vom Versicherungsschutz ausgenommen sind. Ein Beispiel: Für die Aushärtung einer Betonfläche ist es entscheidend, dass kein Niederschlag fällt. Wird eine Betonplatte gegossen, obwohl eine Regenwahrscheinlichkeit von 30 Prozent vorausgesagt wird, tritt die Bauleistungsversicherung nicht ein, wenn es tatsächlich regnet und die Bodenplatte deshalb beschädigt wird. Dieser Schaden ist nicht unvorhergesehen eingetreten. Schäden durch Brand, Blitzschlag und Explosion sind regelmäßig vom Versicherungsschutz ausgenommen, können aber zusätzlich einbezogen werden. Nicht versichert sind außerdem Schäden bei Vorsatz des Bauherrn. Schäden am Gebäude sind  versichert, nicht aber Schäden, die in der mangelhaften Herstellung des Gebäudes selbst liegen. Wird beispielsweise eine Betondecke mangelhaft erstellt, muss die Bauleistungsversicherung nicht Ersatz für die  Kosten einer neuen Betondecke leisten. Stürzt aber diese mangelhafte Betondecke aufgrund der  fehlerhaften Herstellung ein und werden dadurch Wände und Fenster an dem Gebäude zerstört, so sind  diese Schäden an Wänden und Fenstern versichert. Der Bauherr sollte vor Abschluss der Versicherung  genau prüfen, welche Schäden aufgrund welcher Ursachen einbezogen und welche ausgeschlossen sind.  Das ergibt sich aus Versicherungsvertrag und Versicherungsbedingungen. Die Versicherung sollte mit  Beginn der Bauphase abgeschlossen werden. Sie erlischt in der Regel automatisch mit Bauende. Die Kosten richten sich nach dem Bauvolumen. Sie liegen in der Regel bei ein bis drei Promille der Bausumme. Meist wird ein Selbstbehalt vereinbart. 

Eine Feuer-Rohbauversicherung

Eine Feuer-Rohbauversicherung deckt Schäden ab, die durch Feuer,  Blitzschlag oder Explosionen am Rohbau entstehen. Ersetzt werden auch Folgeschäden durch Rauch, Ruß und Löscharbeiten sowie Aufräum- und Abbruchkosten. Eine Feuer-Rohbauversicherung ist in der Regel in der Wohngebäudeversicherung enthalten. Wird also die Wohngebäudeversicherung schon bei Baubeginn abgeschlossen, ist der Rohbau  regelmäßig bereits gegen Feuer beitragsfrei versichert, obwohl die Prämie für die  Wohngebäudeversicherung selbst erst nach Fertigstellung des Gebäudes zu zahlen ist. 

Bauhelferversicherung 

Der Abschluss einer Bauhelferversicherung kann sich empfehlen, wenn Sie mit Hilfe von Freunden und Verwandten bauen. Werden diese auf der Baustelle verletzt, greift die beschriebene Bauherrenhaftpflichtversicherung nämlich nicht. Für Bauhelfer besteht außerdem eine Melde- und  Versicherungspflicht bei der Berufsgenossenschaft, bei der sie pflichtversichert werden müssen. Über die  geleisteten Arbeitsstunden ist Buch zu führen. Wird dies unterlassen, ist ein Bußgeld zu zahlen. Auch wenn der Bauherr die Bauhelfer nicht angemeldet hat, tritt die Berufsgenossenschaft im Falle eines Schadens eines Bauhelfers ein. Sie kann den Schaden aber auf den Bauherren abwälzen, wenn dieser seiner  Meldepflicht nicht nachgekommen ist. Die Berufsgenossenschaft tritt allerdings nicht für Ehepartner und enge Familienangehörige ein. Für deren Schäden kommt nur eine private Bauhelferversicherung auf. Diese Bauhelferversicherung kann zudem die Leistungen aus der gesetzlichen Bauhelferunfallversicherung der  Berufsgenossenschaft ergänzen. Das heißt, es werden im Schadensfall höhere Beträge gezahlt.